Wie alles begann: Meine Jahre mit der SOFIA-Studie und warum mich die Wahrnehmung von Textilien bis heute nicht loslässt
Es gibt Momente im Leben, in denen man erst viele Jahre später erkennt, wie prägend sie wirklich waren. Für mich war einer dieser Momente die Beteiligung an einer Forschungsarbeit, die damals kaum jemand kannte – und die heute, rückblickend, den Grundstein für alles gelegt hat, was ich beruflich tue.
Die Rede ist von der SOFIA-Studie der Hohenstein Institute. Jener frühen, neurophysiologischen Untersuchung, die klären sollte, wie der menschliche Körper – und vor allem das Gehirn – Textilien auf der Haut tatsächlich wahrnimmt.
Ich war damals Industriementor und brachte funktionale Hautkontakt-Textilien in das Forschungsprojekt ein. Ich wusste nicht, dass mich diese Kooperation über ein Jahrzehnt später dorthin führen würde, wo ich heute stehe: Mit eigenen Marken, eigenem F&E-Verbund und einer klaren Mission, die menschliche Haut im Kontext von Textilien besser zu schützen.
Dies ist meine persönliche Rückschau auf eine Studie, die mich nie losgelassen hat – und die den Weg für Heppner Apparel, Trustgarn® und SKINION-X® eröffnet hat.
Warum die SOFIA-Studie so außergewöhnlich war
Wer heute über Funktionswäsche, Hautschutz, Abrieb oder textile Sensorik spricht, denkt an Dinge wie Materialtests, Zertifizierungen oder Komfortanalysen.
Doch die SOFIA-Studie ging viel weiter. Das Team der Hohenstein Institute wollte Anfang der 2010er-Jahre erstmals objektiv messen, wie der Mensch Textilien wahrnimmt. Nicht auf
Basis von Fragebögen, sondern auf Basis von Biologie, Physik und Neurophysiologie.
Die Kernfragen lauteten:
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Wie reagiert die Haut auf textile Reibung?
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Welche Rolle spielt Geschwindigkeit, Druck, Mikrostruktur?
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Wie stark wird das Gehirn durch bestimmte Materialien “gereizt” oder beansprucht?
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Lässt sich Tragekomfort wissenschaftlich standardisieren?
Um das beantworten zu können, entwickelte Hohenstein und die angeschlossenen Partner ein Gerät, das seiner Zeit weit voraus war.
Den elektromechanischen Textilapplikator SOFIA und später SOFIA-2 (Dazu mehr in einem anderen Blog)
Damit konnte man Textilien mit definierter Kraft und Geschwindigkeit über Haut (und künstliche Haut) ziehen, während gleichzeitig EEG-Messungen die Reaktionen des Gehirns erfassten.
Was vorher eine „Bauchgefühl-Disziplin“ war, wurde plötzlich messbar.
Meine Rolle: Industriepartner und Impulsgeber
Als Industriementor war es meine Aufgabe, hautnahe Textilien in realistischer, marktrelevanter Form in die Studie einzubringen.
Wir standen damals vor einer zentralen Frage:
Wie entwickelt man Kleidung, die sich nicht nur angenehm anfühlt, sondern das Nervensystem entlastet, statt zu belasten?
Wir brachten verschiedene textile Ansätze ein, unter anderem extrem glatte, funktionale Strukturen und spezielle Doppelrib-Gewebe für Business-Unterhemden. Natürlich alles gestrickt. Diese wurden in der Studie systematisch getestet – nicht nur auf der Haut, sondern auch auf künstlicher Haut wie HUMskin, kombiniert mit Reibungs- und Druckmessungen.
Die Erfahrung war für mich ein Wendepunkt.
Ich begann zu verstehen, wie komplex die Schnittstelle zwischen Textil und menschlicher Haut ist, und wie wenig die Branche damals darüber wusste.
Was mich bis heute prägt
Reibung ist mehr als ein Komfortthema
Die SOFIA-Studie zeigte erstmals objektiv, dass mikroskopische Reibungsunterschiede starke Auswirkungen auf die sensorische Belastung haben können. Manche Materialien erzeugen kaum Reize – andere aktivieren das Nervensystem permanent.
Diese Erkenntnis prägt heute unsere Arbeit bei Heppner Apparel direkt.
Die Haut ist ein aktives Sinnesorgan, kein passiver Kontaktpunkt
Die Studie machte deutlich: Die Haut „antwortet“ auf Reize – und das Gehirn reagiert sofort.
Wer „Hautschutz“ und "Konzentrationfähigkeit" ernst nimmt, muss beides verstehen.
Textilinnovation braucht echten wissenschaftlichen Unterbau
Viele Marken reden über Komfort, Atmungsaktivität oder „Feel“.
Aber die wenigsten können belegen, welche neurophysiologischen Effekte ihre Textilien hervorrufen.
SOFIA war der Ursprung meiner eigenen Überzeugung: Textilinnovation muss messbar sein.
Nicht Marketing, sondern Evidenz. Nicht Versprechen, sondern Testdaten.
Diese Haltung prägt unser gesamtes Unternehmen, unsere Patente und unsere Entwicklungen bis heute.
Der über 10 Jahre lange Bogen von SOFIA zum Protective First Layer
Was anfangs ein wissenschaftliches Interesse war, wurde für mich zu einer Art Lebensaufgabe.
Trustgarn® (MedTech-Fokus)
Die dermatologische Perspektive:
Wie schützt und unterstützt man hochsensible oder verletzte Haut?
Wie reduziert man Reibung, Irritation und mikrobiologische Belastung?
Heppner Apparel (F&E, Herstellernetzwerk, Materialien)
Die technische Perspektive:
Wie schaffen wir Strukturen, Fasern und Konstruktionen, die physiologisch sinnvoll sind?
SKINION X® (Protective First Layer)
Die sportliche & schutztechnische Perspektive:
Wie verhindern wir Abrieb, Schnittwirkung, Scheuerzonen – ohne Hitzeentwicklung, ohne Komfortverlust?
Alle drei Themen teilen denselben Ursprung: Die Schnittstelle von Textil und Haut – und wie wir sie verstehen.
Und genau das war das Fundament der SOFIA-Studie.
Warum ich diese Geschichte jetzt erzähle
Weil ich heute, 10+ Jahre später, sehe:
Alles, was wir heute entwickeln, H3D-Stricksystem®, H-PEA®-Faser, Protective First Layer – entsteht nicht zufällig.
Es folgt einer logischen Linie, die mit einer wissenschaftlichen Frage begann:
Was macht ein Textil wirklich mit der Haut und mit dem Menschen, der es trägt?
Diese Frage treibt mich bis heute an.
Sie prägt unsere Patente, unsere neuen Produkte, unsere Forschungskooperationen und unsere Vision, Textilien als Schutzsysteme statt als einfache Stoffe zu verstehen.
Die SOFIA-Studie war mein Einstieg in dieses Thema – und sie bleibt mein wissenschaftlicher Referenzpunkt dafür, dass Innovation nicht bei Vermutungen beginnt, sondern bei Daten.
Mein Fazit und warum diese Studie in meine persönliche Geschichte gehört
Ich erzähle selten von dieser Zeit. Aber heute weiß ich:
Ohne die SOFIA-Studie hätte ich nie die Tiefe und die Ernsthaftigkeit entwickelt, die für meine Arbeit heute entscheidend ist.
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Sie war der erste Beweis, dass textile Hautforschung möglich ist.
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Sie war der erste Kontakt mit objektiven Messmethoden.
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Sie war der erste Impuls für meine spätere Gründung und Mission.
Und sie ist der Grund, warum ich heute mit voller Überzeugung sage:
Schutz beginnt auf der Haut – und er lässt sich messen.